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Wo eine Gesellschaft sich dazu verführen läßt, bestimmte Personen als nicht voll menschlich und daher minderwertig und ohne Anspruch auf Achtung zu betrachten, dort sind die kulturellen Voraussetzungen für einen menschlichen Holocaust gegeben.

 

Ronald Reagan "Recht zum Leben" S.24/25

 

 

 

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Yoav Sapir

Antisemitismus und Demokratie:
Wenn Werte gegeneinander konkurrieren

 

Im Anschluss an die letzte Diskussion über Holocaustleugnung als Verbrechen habe ich über das Verhältnis zwischen Antisemitismus und Demokratie nachgedacht.

Unser Forum heißt ja “für Demokratie und gegen Antisemitismus” und auf den ersten Blick scheinen sich beide Aussagen gegenseitig zu unterstützen, gleichsam “für Liebe und gegen Hass”. Das mag in der theoretischen Utopie auch wirklich so sein, aber im realen Leben kann da, wie mir scheint, auch ein Widerspruch entstehen.

Betrachten wir erst mal die beiden Begriffe “an sich” (freilich kommt es auch darauf an, wie man “Antisemitismus” und “Demokratie” definiert, aber das wäre eine endlose und gewissermaßen auch sinnlose Diskussion). Bei der Verbreitung der Demokratie geht es erst mal um Freiheit, also darum, was der Mensch darf, im Gegensatz zu anderen Gesellschaftsformen. Natürlich darf man auch in einer Demokratie nicht “alles”, aber der Ansatz hat mehr mit dem Erlauben von Verbotenem zu tun als mit dem Verbieten von Erlaubtem. Bei der Bekämpfung des Antisemitismus geht es hingegen erst mal darum, etwas zu unterbinden, also die Freiheit zu begrenzen (zu Recht, wie ich finde), sodass der Ansatz des “gegen Antisemitismus” in einem gewissen Widerspruch steht zum Ansatz des “für Demokratie”. Mein Anliegen in diesem Text ist, diesen gewissen Widerspruch zu beleuchten und darüber nachzudenken, inwiefern dieser erträglich und zumutbar ist.

Wie oben erwähnt, ist das immer auch eine Frage der Definition, und weil es da so verschiedene Meinung gibt, möchte ich keine inhaltliche, sondern eine strukturelle Differenzierung vorschlagen, nämlich zwischen aktivem und passivem Antisemitismus:

Der aktive Antisemitismus ist für mich politisch, d.h. wenn eine Person andere Personen mit Stimmungsmache gegen Juden, das jüdische Land, das Judentum schlechthin etc. zu beeinflussen versucht (Boykottaufrufe usw.). Der aktive Antisemitismus basiert also auf einer Theorie, oder, um mit Adorno zu sprechen, auf einem “Gerücht über die Juden”, und der aktive Antisemit möchte diese Theorie verbreiten. Welche Theorie das ist und wie sie sich begründet (rassistisch, antizionistisch etc.) ist m. E. zweitrangig.

Der passive Antisemitismus ist hingegen eine Privatsache, anders gesagt: eine Geschmacksache. Ich will nicht umsonst die Metapher des Geschmacks heranziehen; denn es ist ja völlig in Ordnung, wenn jemand keinen Döner mag, und keiner, dem Döner nicht gefallen, würde daraus eine Theorie machen und seine Mitmenschen dagegen hetzen wollen. Übertragen auf Antisemitismus stellt sich mir die Frage, wie ich mich in Bezug auf Leute fühle, die Juden / das Judentum ganz allgemein nicht mögen, aber aus dieser persönlichen Neigungsfrage kein Politikum machen (bekanntermaßen hat jeder Antisemit seine Ausnahmen, und ein jüdischer Witz fragt, was der Unterschied zwischen einem Anti- und einem Philosemiten ist. Die Antwort lautet: der Philosemit sagt “die Juden sind toll, aber... dieser ist ein Dieb, und jener ein Rassist...”, während der Antisemit sagt: “die Juden sind schrecklich, aber dieser ist ganz gutherzig, und jener wirklich weise...”).

Nun also, in Antwort auf diese Frage, muss ich zugeben, dass es mich nicht stört. Wenn jemand aus welchen Gründen auch immer irgendetwas gegen Juden als solche hat und unsere Gesellschaft deshalb vermeiden möchte, ohne gegen uns zu hetzen – kann ich gut damit leben. Ich denke z. B. an jemanden, der ungern in der Nachbarschaft von Juden wohnt, und darum umziehen will, nachdem in sein Haus eine jüdische Familie gezogen ist. Diese Person mag also keine Juden, kommt aber nicht auf die Idee, dieser Familie etwas anzutun, damit sie wieder wegzieht, sondern möchte selber umziehen.

Das ist also passiver Antisemitismus, dessen Konsequenzen in erster Linie für den Antisemiten gelten und nicht für die Juden. Für mich gibt es keinen Grund, einen solchen Antisemitismus zu bekämpfen oder gar zu kriminalisieren, und es fällt m. E. völlig in die weiße Zone einer liberalen Gesellschaft. Schließlich hat jeder von uns seinen persönlichen (wie auch immer begründeten) Geschmack, was seine Partner / Freunde / Nachbarn / Kollegen angeht, und die Gesellschaft hat kein Recht, dem Einzelnen hier irgendetwas zu diktieren. Und gerade hierin besteht der Widerspruch zur Demokratie, mit dem wir begonnen haben: Solange die Abneigung gegen den anderen nicht dazu dient, die Freiheit des anderen zu beschränken, gibt es keine Berechtigung, die Freiheit des Abgeneigten zu beschränken, die Gesellschaft derer zu meiden, denen er abgeneigt ist.

An dieser Stelle möchte ich auf den letzten Text über David Irving hinweisen, der mit diesem Text gewissermaßen ergänzt wird: Selbstverständlich will ich kann ich keinem das Recht absprechen, eine Menschengruppe (z. B. “wie David Irving”) oder eine Privatperson (z. B. “David Irving selbst”) nicht zu mögen und etwa die Wohnung, die man als Kapitalanlage gekauft hat, einem David Irving oder Rechten oder Linken oder Juden oder Arabern oder Deutschen nicht vermieten zu wollen. Nur muss man dann eben selber die Konsequenzen tragen, anstatt gegen die/den Verhassten eine öffentliche, ja politische Kampagne zu starten. In einer vollkommenen Welt würden wir uns alle gegenseitig gefallen, aber noch ist der Mensch unvollkommen – das ist einerseits keine Schuld, nur sollte man andererseits auch die anderen, denen man abgeneigt ist, nicht dafür verantwortlich machen.

Diese natürliche Unvollkommenheit des Menschen gilt z. B. auch für mich: Ich meide ganz bewusst die Nachbarschaft von Moslems und insbesondere Arabern, auch wenn mich das Leben in einem anderen, weniger islamisierten Stadtteil mehr kostet. Meine Präferenzen sind mein Problem und keines derer, die mir nicht so gut gefallen (schließlich zwingt mich ja auch keiner, in Berlin zu leben). Ich bin mir sicher, dass jeder und jede, wenn man ehrlich genug zu sich selbst ist, in sich solche diskriminierenden Präferenzen entdecken kann, sei es gegen Blondinnen, Dunkelhäutige, Heterosexuelle, Rechtsextremistische oder eben gegen Juden. Wer kann da also den ersten Stein werfen? Bis zu einem gewissen Ausmaß, also eben noch im Rahmen des Passiven, sind diese privaten Präferenzen in einer liberalen, demokratischen Gesellschaft legitim, akzeptabel und vor allem zumutbar.

Diese beiden Bereiche des aktiven (~politischen) und passiven (~introvertierten) Antisemitismus habe ich relativ klar skizziert, was die Sache natürlich sehr leicht macht. Viel schwieriger wird es in der “Grauzone” dazwischen, wo sehr viele Lebenssituationen zu verorten sind.

Ein Beispiel für diese Grauzone stellt etwa der letzte Beschneidungsstreit dar, an dem sich unser “Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus” beteiligt hat. An und für sich ist die ethisch begründete Position vieler Beschneidungsgegner eine sehr solide Ansicht, auch wenn das nicht meine Position ist. So gesehen, hat es unsererseits keinen Grund zur Intervention gegeben. Demgegenüber hatte dieser Streit ausgesprochen politische Dimensionen, weil ja keine rein philosophische Diskussion war, sondern eine stets auf die Rechtsprechung und Gesetzgebung bezogene, sodass es notwendigerweise auch um die bedrohte Freiheit der anderen (Juden/Moslems) ging. So gesehen war unsere Intervention berechtigt. Wie immer in der Grauzone, kommt es in jedem einzelnen Fall darauf an, ob es da mehr vom Schwarzen oder vom Weißen gibt, aber eine ganz leichte Entscheidung ist normalerweise unmöglich.

Das war nur ein konkretes Beispiel, es gibt natürlich noch sehr viele andere. Im freiberuflichen Bereich der Beziehungen unter Selbstständigen käme der Staat nie auf die Idee, einen Auftraggeber zu bestrafen, weil er seine Aufträge bevorzugt an Juden/Weiße/Homosexuelle vergibt und somit deutsche/schwarze/heterosexuelle Konkurrenten diskriminiert. Aber sobald die selbstständige Beziehung zwischen zwei Geschäftspartnern sich in ein Beschäftigungsverhältnis verwandelt, meint der Staat da doch sehr viel vorschreiben zu dürfen. Zu Recht oder Unrecht? Wenn ich als Arbeitgeber auf einem ganz normalen Berufsfeld (bspw. Pizza) bei gleicher Qualifikation einen Juden bevorzuge, weil mir die eigenen Volksgenossen näher am Herzen liegen als die deutschen Bewerber, die ich somit benachteilige, verstoße ich damit wohl gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Aber inwiefern darf sich der Staat überhaupt so weit in meine privaten Angelegenheiten und Präferenzen als Arbeitgeber einmischen? Und wenn der Staat schon meint, da was sagen zu dürfen, sollte er nicht auch für, sagen wir mal, 50% des Gehalts des vom Staat mitbestimmten Beschäftigten aufkommen? Wenn schon, dann schon.

Kurzum, die Grauzone ist eben keine, die klare Antworten ermöglicht. Aber diese Problematik, nämlich die teilweise Konkurrenz mancher Werte, wahrzunehmen, ist erst mal schon ein wichtiger Schritt. Denn sich für bestimmte Werte jeweils an und für sich einzusetzen, ist eine Sache; aber konkurrierende Werte (man denke etwa an den klassischen Konflikt von Freiheit und Gleichheit) in ein tragfähiges Verhältnis zueinander zu bringen, ist eine andere, ja schwierige Sache. Und so ist es, bis zu einem gewissen Ausmaß, auch mit “für Demokratie” und “gegen Antisemitismus”.

von Yoav Sapir, 26. September 2013, 18:24
Quelle: http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/antisemitismus/2013-09-26/antisemitismus-und-demokratie-wenn-werte-gegeneinander-konkurrieren
 

 

David Irving und der Zustand unserer Demokratie

Aus gegebenem Anlass greife ich hier wieder die leider eng miteinander verknüpften Themen “Holocaustleugnung” und “Zivilcourage” auf, die ich in früheren Jahren mehrmals besprochen habe (das letzte Mal war, wenn ich mich recht entsinne, 2008 anlässlich des Falls Udo Voigt). Der diesmalige Anlass ist der Versuch von David Irving, in die BRD einzureisen.

Im Vorfeld seiner geplanten, aber letzten Endes doch nicht erlaubten Reise nach Berlin beteiligte sich das “Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus” (JFDA), in dessen Vorstand ich sitze, an einer Kampagne, die Hotels in der Stadt dazu aufgerufen hat, ihm keine Unterkunft zu gewähren (zu dem Zeitpunkt wurde ihm nicht Einreise noch nicht wiederholt verwehrt). Wie da zu lesen ist, haben wir uns dem Vorwurf angeschlossen, er habe "die Verbrechen der Nationalsozialisten relativiert" (wörtlich genommen - ist das nicht etwa die Aufgabe eines jeden Historikers, zu relativieren, also in Bezug und Vergleich zu setzen? Von meinem Mentor Moshe Zimmermann habe ich gelernt, dass der Vergleich - nicht die Gleichsetzung - die Basis jeder historischen Erkenntnis ist). Es war also eine Kampagne gegen eine Privatperson – nicht gegen eine Partei oder eine andere Organisation, sondern gegen eine Privatperson, die eigentlich genauso am gesellschaftlichen Leben teilnehmen bzw. zur rechtmäßigen Inanspruchnahme wirtschaftlicher Dienstleistungen berechtigt sein sollte wie jede andere (das würde ich jedenfalls von wahrhaft demokratisch Gesinnten erwarten).

Nun ist aber David Irving eben nicht “irgendeine” Person, sondern ein Verbrecher, weil er nämlich den Holocaust geleugnet hat und eben deswegen nach wie vor nicht in die BRD einreisen darf. Inwiefern sich so eine Straftat in eine Demokratie gehört, möchte ich später besprechen. Denn erst mal stellt sich mir die Frage: “Na und?” Mir fallen nämlich wesentlich schlimmere Verbrechen ein: Mord, Vergewaltigung, Pädophilie usw. Stellen wir uns also eine ganz schlimme Person vor, die sich in allen drei Punkten (Mord, Vergewaltigung, Pädophilie) strafbar gemacht und deswegen mehrere Dutzend Jahre hinter Gittern verbracht hat. Nach alledem wird diese Person irgendwann mal freigelassen – sie könnte wieder morden, vergewaltigen, ein Kind missbrauchen etc. – aber es ist eben keine Gesetzmäßigkeit, dass sie dies wieder tun würde (schließlich basiert unser Rechtswesen auf der Vorstellung von der freien Wahl). Diese Person möchte also Berlin besuchen – würde nun jemand auf die Idee kommen, sich an einer Hetzkampagne gegen diese Person zu beteiligen, damit umso mehr Hotels ihr die Unterbringung verweigern?

Soweit ich weiß, hat David Irving weder gemordet, noch vergewaltigt, noch ein Kind missbraucht. Ja, der Mann ist ein Idiot, aber mal ehrlich: Hat nicht jeder das Recht darauf, ein Idiot zu sein, solange er damit nicht die Rechte eines anderen verletzt? Und dennoch wird in unserem (wackeligen?) Rechtsstaat uneingeschränkt gegen ihn gehetzt, nicht gegen sein “Amt” oder “Position”, sondern ganz gezielt gegen seine Privatperson, von der er nun mal bis ans Ende seines Lebens genauso wenig “zurücktreten” könnte wie jeder andere.

Wenn es etwas gibt, was im geschäftlichen Bereich die Würde des Menschen, jedes Menschen, wirklich verletzt, dann ist es der Angriff ad hominem, gegen die Person an sich, gegen die unabänderliche Eigenschaft als Privatperson. Das gilt m. E. für Behinderte, Homosexuelle, Juden, usw. usf., darunter auch für die Privatperson David Irving. Taten kann man kritisieren, Aussagen auch, und überhaupt alles, was ein Mensch tut und unterlassen kann oder versäumt und dennoch tun könnte. Aber die Grenze zum Angriff auf die Privatperson darf nie überschritten werden. Da sollte sich jeder in Irvings Situation vorstellen: Wäre ich, um ein Hotelzimmer zu bekommen, für das ich genauso viel zahlen würde wie jedes andere, in der Lage, weniger Yoav Sapir sein? Wohl kaum, genauso wie David Irving, egal welche Gesinnung er hat, weniger David Irving sein könnte.

Und nun möchte ich über das Verbot an sich reden. Freilich ist die Leugnung der Holocaust nicht wahr. Das gilt nicht nur für die Aussage “Den Holocaust hat es nie gegeben”, sondern auch für noch dümmere Aussagen wie “die Sonne kreist um die Erde” oder “Es gibt keine jüdische Nation”. Dennoch sind Letztere nicht unter Strafe gestellt, und das ist auch gut so. Ich schäme mich wirklich, in einem Land zu leben, in dem es verboten ist, anderes über den Holocaust auszusprechen als von der “etablierten” Wissenschaft behauptet (wobei ich zugegebenermaßen freiwillig hier lebe, in diesem Land, das sich so stark gegen Irving zu zeigt weiß, aber es schafft, die jährliche faschistoide “Alquds-Demo” in Berlin zu verbieten). Das erinnert mich wirklich an das Mittelalter, wo Menschen auch für Leugnungen (Gottes, etc.) verfolgt wurden. Heutzutage erfolgt die Verfolgung auf eine weitaus zivilisierte Art und Weise, aber es ist und bleibt Verfolgung, wenn solche Äußerungen – so dumm sie auch sind – als Straftat eingestuft sind.

Dann kommt das Argument der wehrhaften Demokratie zur Geltung (das man aber, philosophisch betrachtet, wirklich beliebig anwenden könnte, also etwa auch auf den Islam oder die Linke, je nachdem, wo man eine tatsächliche oder vermeintliche Gefahr empfindet). Freilich hat jede Demokratie das Recht und die Pflicht, sich gegen politische Bedrohungen der demokratischen Grundordnung zu verteidigen. Aber inwiefern kann die Holocaustleugnung an sich, also genau das, was hierzulande verboten ist, eine solche Bedrohung darstellen? Eine Behauptung (so dumm diese auch sein mag) über die Vergangenheit ist noch längst kein Aufruf zur grundlegenden Veränderung der demokratischen Verhältnisse in der Gegenwart. Es besteht also ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Aussage “Man sollte die Juden / die Ketzer umbringen” und der Aussage “Die Nazis haben die Juden gar nicht systematisch umgebracht” oder “Es gab in Auschwitz keine Gaskammern” etc.

Oder sind die USA und Israel, in denen die Holocaustleugnung m. W. keine Straftat ist, weniger wehrhaft als die hiesige Demokratie...? Ganz zu schweigen von England, wo Irving ja lebt und trotzdem (Überraschung!) nicht die gesellschaftliche Grundordnung ins Wackeln bringt. Anders gefragt: Machen nicht gerade solche Verbote Leute wie David Irving wesentlich wirksamer und wichtiger als sie es wirklich sind? Wer würde sich schon für seine skurillen (und dennoch keineswegs verbrecherischen) Thesen interessieren, wenn es uns egal wäre, ob noch ein Idiot unter vielen sich in Deutschland aufhält oder nicht? An denen fehlt es hierzulande sowieso nicht.

Ferner muss man bedenken, welche Pforten der Diskriminierung wir auftun, wenn wir erst mal mit solchen Hetzkampagnen beginnen. Wenn man David Irving als Privatperson aufgrund einer Gesinnung oder der einen oder anderen Auffassung der Geschichte eine vollkommen rechtmäßige Inanspruchnahme irgendwelcher Dienstleitungen verbieten darf, dann darf man es wohl allen Holocaustleugnern verbieten (wegen ähnlicher Gesinnung), oder allen Rechtsextremisten (ebenfalls), allen Linksextremisten (fällt auch unter das Gesinnungskriterium), allen NPD- und PDS-Mitgliedern (politisch bekundeter Gesinnung!), allen SPD- und CDU-Mitgliedern (auch das stellt eine Gesinnungsäußerung dar, die dem einen oder anderen nicht gefällt) usw. usf.

Offenbar ist das nach der jetzigen Rechtslage erlaubt – sodass ich allen, die die palästinensischen Terroristen und deren Ziele unterstützen, hiermit den Genuss meiner Texte verbiete (natürlich ganz im Sinne der Zivilcourage wie im Fall David Irving, denn ich bin ja sehr mutig). Udo Voigt zog 2008 vor Gericht, aber das Gericht entschied, dass der Hotelbesitzer, der ihm die Inanspruchnahme der Dienstleistungen verwehrt hatte, dies eben machen durfte, unter anderem weil es in seinem Ermessen als Betreiber liegt, ob die Person Voigt den anderen Gästen zumutbar ist. Da steht nun also jeder Betreiber vor der Entscheidung, die ganz in seinem Ermessen liegt: Wen will ich meinen Gästen zumuten, und wen nicht? Und da darf der Betreiber sich beliebig entscheiden, auch ohne einen konkreten Verdacht auf eine bevorstehende Straftat aufbringen und begründen zu müssen, die von einer bestimmten Person oder einer ähnlich gesinnten Gruppe von Personen in seinem Geschäft begangen werden könnte – womit ich Hans-Christian Ströbele, der sich schon mehrmals mit antisemitischen Äußerungen einen Ruf gemacht hat, ausdrücklich die Lektüre meines Blogs verbiete, weil ich der Meinung bin, dies meinen sonstigen Lesern nicht zumuten zu können (auch das ist selbstverständlich ein Beispiel von Zivilcourage, und ich freue mich schon auf das Bundesverdienstkreuz).

Und nicht zuletzt stellen sich auch andere Fragen: Warum gerade dieser Holocaust? Warum ist es nicht ebenfalls verboten, den Holocaust bzw. Völkermord an den Armeniern zu leugnen? Warum unterhält diese auch so aufgeklärte Bundesrepublik diplomatische Beziehung zu einem Land wie der Türkei, deren offizielle Position eben die einer Leugnung ist? Ganz zu schweigen von dem Iran, dessen damaliger Führer in den letzten Jahren ziemlich oft und sehr deutlich den jüdischen Holocaust geleugnet hat (aber trotzdem durfte der Iran die Beziehungen zur BRD aufrechterhalten – da scheint David Irving einfach nicht reich genug zu sein).

Kurzum, dieses Verbot spricht keineswegs für die demokratische Kultur in Deutschland. Ein Land, in dem es erlaubt ist, eine Person aus der normalen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auszuschließen, weil ihre bloße Gegenwart schon anderen unzumutbar wäre, ist keine richtige Demokratie. In einer Demokratie funktioniert es nämlich umgekehrt: Es muss den anderen zugemutet werden, die Existenz einer anders gesinnten Person zu dulden, solange diese Person sich angemessen verhält und niemand belästigt. Das gilt, zumindest meiner Meinung nach, für alle Idioten dieser Welt, angefangen bei Ahmadinedschad über Irving bis hin zu Sigmar Gabriel, der sich in Hebron an die Apartheid erinnert fühlte. Da sitzen alle drei und noch unzählige andere in demselben Idiotenboot – aber ein Idiot zu sein, ist keine Straftat und darf dies auch nicht sein.

Das also wurde bei uns im Vorstand besprochen und heftig diskutiert. Das Thema ist freilich sehr umstritten, und dennoch hat es mich betrübt, dass die Gegner der oben erwähnten Presseerklärung in der Minderheit waren. Seitdem muss ich darüber nachdenken, ob unser Forum, das ansonsten eine sehr wichtige Arbeit macht, sich noch von innen reformieren lässt oder lieber seinen internen Ruhm- und Machtkämpfen überlassen werden soll, bis es seinen Geist aufgibt.

PS.

Ich frage mich übrigens, wie weit der Staat mit diesem Schwachsinn gehen würde. Würde der Staat auch den Sohn eines Holocaustüberlebenden wie mich anklagen, wenn ich hier schreiben würde, dass es den Holocaust nicht gegeben hätte? Da bin ich schon irgendwie neugierig. Also schreibe ich das mal: “Den Holocaust hat es nie gegeben”. So, jetzt habe ich das geschrieben. Ich trage die volle Verantwortung für diesen Satz. Wenn der Staat sich bei mir meldet, werde ich hier darüber berichten, sobald ich aus der Haft entlassen werden würde.

von Yoav Sapir, 18. September 2013, 00:31
Quelle: http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/holocaust/2013-09-18/david-irving-und-der-zustand-unserer-demokratie

 

 

Der Holocaustkult: Skizze einer Analyse

Inwiefern ist die Holocaustaufarbeitung in den
letzten Jahrzehnten Religion bzw. Zivilreligion geworden?

 

Vorbemerkung: Bei diesem Gedankenexperiment gehe ich nicht der Frage nach, wie das hier besprochene Phänomen zu bewerten ist. Als Sohn eines Überlebenden bin ich der Ansicht, die intensive Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung ist völlig am Platze. Nichtsdestoweniger verdient das Phänomen auch eine kritische Betrachtung, die es begrifflich zu erfassen sucht.
Der Sinn der obigen Fragestellung besteht also nicht darin, über ihren Gegenstand zu urteilen, geschweige denn auf eine negative Art und Weise; die zentrale Bedeutung des Holocaust fürs heutige Abendland halte ich für gerechtfertigt. Nichtsdestoweniger - wenn nicht gerade deswegen - tut es aus meiner Sicht Not, diese Bedeutung, ja diese fundamentale Funktion in all ihren nur scheinbar jeweils alleinstehenden Manifestationen begreiflich zu machen, nämlich als ein Phänomen.
Handelt es sich um ein zivilreligiöses Phänomen, so muss dieses Phänomen durch entsprechende Merkmale charakterisierbar sein. Die öffentliche Vergangenheitsbewältigung weist m. E. folgende Charakteristika auf, die auf eine solche Entwicklung in Richtung Zivilreligion hinweisen:

1. Kultstätten bzw. Heiligtümer: Museen, Gedenkstätten, Mahnmale etc., in denen man sich zum Holocaust bekennt bzw. sein Bekenntnis durch passive Teilnahme bestätigt (in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem brennt im Einklang mit Tempeltraditionen sogar eine ewige Flamme).

2. Theologische Seminare: Unzählbare Forschungsinstitute, Lehrstühle usw.

3. Credo: Während im Christentum die Dreieinigkeit die zenrale Rolle spielt, steht im Mittelpunkt des Holocaustkultes die (offensichtlich aufgerundete) Sechs-Millionen-Zahl, die in allen Heiligtümern, aber auch anderwärts, etwa in Gedenkreden bzw. Predigten u. Ä. postuliert wird.

4. Märtyrer und Heilige: Anne Frank, Selma Meerbaum-Eisinger, Henryk Goldszmit bzw. Janusz Korczak und, und, und... Darunter auch Deutsche wie Otto Weidt, die vom jüdischen Volke posthum offiziell als Gerechte unter den Völkern anerkannt worden sind. Durch die beim Opferkult stattfindende, rituell verfestigte Identifikation mit solchen Gestalten integriert man sich in das Narrativ der "guten" Opfer bei gleichzeitiger Selbstabgrenzung von den "bösen" Tätern.

5. Kanonische Texte: Jede Menge, sogar in filmischer Form (etwa Claude Lanzmanns Shoah, Frankreich 1985).

6. Festtage: Offiziell wird der Holocaust als zentrale Erscheinung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar (Befreiung von Auschwitz) gefeiert. Insbesondere in Deutschland kreist das Jahr auch um den 9. November (Reichskristallnacht). In Berlin wird sogar der 28. Februar (Fabrikaktion) festlich begangen. Mit den Festtagen hängt das Ritual eng zusammen.

7. Gaben: Die Heiligtümer und die theologischen Seminare müssen ja finanziert werden, sei es durch Steuergelder oder auch durch freiwillige Spenden.

8. Geistlichkeit: Und zwar hierarchisiert, von den Wärtern in den Heiligtümern über die Guides als Vermittler des Katechismus bis hin zu den oberpriestlichen Forschern und Dozenten. Der ganze Klerus lebt praktisch von den Gaben, die die Gesellschaft dem Holocaustkult entrichtet.

9. Monopol auf die legitime Interpretation: Wie überall geht es auch bei dieser Religion vornehmlich um Macht, die die Priester- und Levitenzunft nicht zuletzt auch zur Bewahrung der finanziellen Basis benötigt. Anders Denkende werden mithin, wie damals von der katholischen Kirche, zum Schutze des eigenen Kultgegenstandes durch dogmatische Gesetzgebung verfolgt (vgl. David Irving, Ernst Zündel).

10. Internationalismus bzw. Ökumenismus: Im Gegensatz zu nationalstaatlichen Zivilreligionen ist die Ausbreitung des Holocaustkultes nicht geographisch - und schon gar nicht ethnisch oder konfessionell beschränkt. Ganz im Gegenteil: Der Klerus erhebt Anspruch auf "Katholizismus" im wahrsten Sinne des Wortes (alle betreffend, alles umfassend); der Kult wird demzufolge immer weiter verbreitet; es entstehen dort neue Heiligtümer, wo es bis vor kurzem noch keine gegeben hat (z. B. in Washington D.C., Paris, Berlin, Warschau, Budapest, Japan und an zahlreichen anderen Orten); seine heiligen Texte erfreuen sich, insbesondere in filmischer Form, grenzüberschreitender Rezeption; und auch seine Feste, vor allem der 27. Januar, werden international gefeiert.

11. Kritikscheu: Der numinose Charakter, der dem Gegenstand des Holocaustkultes anhaftet und ihn zu umgeben scheint, führt, wie es etwa in Fall "Binjamin Wilkomirski" ersichtlich wurde, oft zur Aussetzung des kritischen Umgangs mit dem, was zu diesem Gegenstand gerechnet wird und demzufolge implizit als sakrosankt gilt.

12. Narrative Bedeutung: Der Gegenstand des Holocaustkultes ist wichtiger (im Abendland sogar fundamentaler) Bestandteil unseres heutigen Weltbildes. Der Holocaustkult vermittelt uns bereits bei der Sozialisierung die angeblichen notwendigen Koordinaten zur Deutung unserer politischen und historischen Umgebung in einer Welt, die aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist. In diesem Narrativ bildet die nationalsozialistische Judenverfolgung und -vernichtung "a negative myth of origin for the post[-]war world" (Avishai Margalit and Gabriel Motzkin, "The Uniqueness of the Holocaust", Philosophy and Public Affairs 25 (1996), pp. 65-83, here 80-81). Ähnliches meint auch mein früherer Betreuer, Moshe Zimmermann: "Daß die Shoah zum Fundament der Welt geworden ist, kann man nicht bestreiten." ("Globalisierte Erinnerung", in: Zeichen, 2/2000; verfügbar auch im Internet)

Fazit: Diese Problematik stellt für die Forschung eine Herausforderung dar. Genau so, wie die Geschichte des Christentums nicht identisch ist mit der Geschichte des Lebens Jesu, der noch nichts vom "Christentum" wusste, gehören zur Geschichte des "Holocaust" eher die Manifestationen dieses Begriffs (sinngemäß außerhalb des nationalsozialistischen Herrschaftsbereiches bzw. nach dem Untergang dieses Regimes) als die tatsächlichen Geschehnisse an einem beliebigen Tag in diesem oder jenem Ghetto. Eine Chronik des Phänomens "Holocaust" darf daher grundsätzlich keine Chronik der nationalsozialistischen Judenverfolgung und -vernichtung mehr sein (zur Differenzierung zwischen Chronik und Geschichte siehe den Beitrag "Was heißt eigentlich 'Geschichte'?").

von Yoav Sapir, 08. März 2008, 00:10
Quelle:http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/holocaust/2008-03-08/der-holocaustkult-skizze-einer-analyse

 

Yoav Sapir
Leben: untabellarisch

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mich näher kennenzulernen, zumal in dieser inzwischen leider ungewöhnlichen, weil untabellarischen Form.

Geboren bin ich 1979 in Haifa in eine mütterlicherseits aus dem ehemals österreichischen Galizien, väterlicherseits aus dem ehemals zaristischen Bessarabien stammende Familie, die im Wesentlichen dem Zweiten Weltkrieg und dem Dritten Reich einerseits entronnen ist, andererseits ihre Entstehung jenseits des Mittelmeers zu verdanken hat (mehr über meine Wurzeln können Sie in diesem Text auf der Internetplattform von »Spektrum der Wissenschaft« erfahren).

Danach habe ich eine ziemlich mittelständisch-normale Kindheit durchgemacht, zu verzeichnen wäre allenfalls der Tod meines Vaters, von dem ich ein angeborenes Interesse am deutschen »Exotikum« ererbt hatte, an Blutkrebs im Jahre 1990 sowie zwei Kriege, nämlich die erste »Intifada« 1987-90 und der erste Golfkrieg 1991, in dessen Verlauf ich das Leben meiner Großmutter retten durfte, nachdem sie vergessen hatte, die Schutzkappe ihrer Gasmaske rechtzeitig zu entfernen.

Wir schreiben das Jahr 2000: Unter dem Druck meiner polnisch-jüdischen Mutter versuche ich, zum Studium in ein Exzellenzprogramm »Jura und Informatik« aufgenommen zu werden. Das Vorhaben mündet in Erfolg, doch ein Semester reicht, damit ich verstehe, dass es bei der Exzellenz um Leistung geht, nicht um Geist. Demzufolge wechsele ich von Haifa an die Hebräische Universität Jerusalem, um daselbst ein neues Studium zu beginnen, diesmal als Deutschlandhistoriker und Germanist. Kein Beruf, dafür Berufung?

Im Laufe des Studiums verschlägt es mich nach Tübingen, Wien und erstmals auch nach Berlin, wo ich einer Polin verfalle, die mir Einiges über die Großstadt beibringt. Nach dem Abschluss mit Auszeichnung und der zweifachen Preisverleihung durch Yad Vashem und das Leo-Baeck-Institut Jerusalem, erteilt mir Prof. Moshe Zimmermann, mein Betreuer, einen Ratschlag: »Yoav, du hast nun sehr gute Voraussetzungen für eine Promotion. Wenn du das tust, springst du in ein Schwimmbad ohne Wasser.« Vier Jahre später treffen wir uns im Café Einstein in Berlin. Meine seinerzeitigen Kollegen, erzählt er mir, seien durch die Promotion in eine umso prekärere Lage geraten.

Am Ende eines einjährigen Studienaufenthaltes an der Freien Universität Berlin stelle ich fest, dass meine für Jerusalemer Verhältnisse ziemlich normalen Kenntnisse des Jüdischen in meiner deutsch-jüdischen Umgebung auf großes Interesse stoßen. An meine chassidischen Wurzeln denkend, entschließe ich mich, mich an der Hochschule für Jüdische Studien zum Rabbiner ausbilden zu lassen. Dort lerne ich sehr viel dazu; nicht nur, was das Judentum angeht, sondern in erster Linie auch über mich selbst, die Juden im heutigen Deutschland und deutsch-jüdische Politik. Es dauert ein wenig, aber schließlich fällt bei mir doch die Entscheidung, das in Heidelberg Gewonnene auf einen anderen, neuen Lebensweg mitzunehmen.

Quelle: http://deutsch.sapir-berlin.com/home/leben-untabellarisch

 

Anmerkung:
Eine wirkliche Demokratie muß aushalten, daß es auch andere Meinungen gibt. Selbst die verrücktesten Einstellungen und Ansichten müssen Demokraten aushalten.
Grenze ist da, wo Leib und Leben in Gefahr gerät.
Man kann sicher darüber diskutieren, ob es klug oder dumm gewesen ist, dieses oder jenes zu äußern ... aber in einer Demokratie Vorschriften darüber machen, was man zu glauben hat und was man über gewisse Dinge äußern darf, ist eindeutig Zensur und widerspricht dem Grundgedanken einer Demokratie.

Das hat der Autor Yoav Sapir in seinem Beitrag "David Irving und der Zustand unserer Demokratie" treffend formuliert.